COVID-19 Impfung

COVID-19 Impfung bei Patienten mit Multiplem Myelom

Empfehlungen der Sektion Multiples Myelom der Medizinischen Klinik V, Universitätsklinikum Heidelberg, und des Nationalen Centrums für Tumoererkrankungen (NCT) Heidelberg (Version vom 15.02.2021, erarbeitet durch Frau Dr. N. Giesen)

 
Unsere Empfehlungen richten sich an Myelom-Patienten im Allgemeinen – insbesondere auch an Patienten innerhalb der HD7-Studie
 
 

Welche COVID-19 Impfstoffe sind aktuell in Europa zugelassen?

Aktuell (Stand 15.2.2021) sind in der EU drei Impfstoffe gegen COVID-19 zugelassen. Es handelt sich hierbei um zwei mRNA-Impfstoffe, BNT162b2 (Comirnaty) von BioNTech/Pfizer und mRNA-1273 (COVID-19 Impfstoff Moderna) von Moderna, sowie um einen Vektor-Impfstoff (AZD1222) von Astra-Zeneca/Universität Oxford. Alle drei Impfstoffe werden aktuell von der STIKO empfohlen, auch bei abwehrgeschwächten Patienten. Eine Einschränkung gibt es für den Vektor-Impfstoff AZD1222: diesen sollten laut STIKO nur Personen < 65 Jahre erhalten. Bei allen drei Impfstoffen sind jeweils zwei Impfungen vorgesehen, die mit jeweils dem gleichen Impfstoff erfolgen sollten.

Wie ist die allgemeine Wirkung und Nebenwirkung der COVID-19 Impfstoffe?

Alle drei Impfstoffe konnten in großen Placebo-kontrollierten Studien erfolgreich das Auftreten einer COVID-19 Erkrankung verhindern. Nicht untersucht wurde, ob die Impfung auch sicher vor einer SARS-CoV-2 Infektion ohne Krankheitssymptome schützt. Es ist daher aktuell noch nicht bekannt, ob geimpfte Personen möglicherweise dennoch das SARS-CoV-2 Virus unbemerkt weitergeben können.
In den Tagen direkt nach der COVID-19 Impfung entwickeln viele Patienten leichte Beschwerden, die jedoch nicht gefährlich sind. Häufig werden Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit und Kopfschmerzen beschrieben. Ein kleinerer Teil der Patienten entwickelt auch leichtes Fieber. In äußerst seltenen Fällen wurden schwere allergische Reaktionen beschrieben, v.a. bei Patienten mit schweren Allergien in der Vorgeschichte. Aussagen zu möglichen Langzeitnebenwirkungen der Impfung lassen sich noch nicht treffen. Grundsätzliche Sicherheitsbedenken hat die STIKO jedoch nicht.

Wird eine Impfung gegen COVID-19 für Patienten mit Multiplem Myelom empfohlen?

Patienten mit Blutkrebserkrankungen wie das Multiple Myelom haben ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer COVID-19 Erkrankung. Besonders hoch scheint das Risiko bei Patienten zu sein, bei denen die Krebserkrankung nicht gut kontrolliert ist.

Aus diesem Grunde wird die COVID-19 Impfung gerade für Patienten mit Blutkrebserkrankungen, wie auch dem Multiplen Myelom, besonders empfohlen.

In der aktuellen Version der Bundesimpfverordnung zu COVID-19 erhalten Patienten mit Blutkrebserkrankungen eine „hohe Priorität“ (Gruppe 2). Bei Bedarf kann den Patienten in Ihrer Ambulanz, durch niedergelassene Onkologen oder den Hausarzt ein entsprechendes Attest zur Vorlage im Impfzentrum ausgestellt werden.

Wie verhält es sich mit dem Risiko-Nutzen-Verhältnis einer COVID-19 Impfung unter Myelomtherapie?

In den Studien zu den aktuell verfügbaren Impfstoffen durften Patienten, die eine Tumortherapie erhielten, nicht teilnehmen. Es ist daher momentan schwierig, Empfehlungen zum optimalen Zeitpunkt einer COVID-19 Impfung in Bezug zur Myelomtherapie auszusprechen.

Die beiden mRNA-Impfstoffe stellen Totimpfstoffe dar, auch der Vektor-Impfstoff enthält keine Viren, die sich im Menschen vermehren können. Auf Grundlage umfangreicher Erfahrungen mit anderen Totimpfstoffen, wie z.B. dem saisonalen Grippeimpfstoff, sieht die STIKO daher keine speziellen Sicherheitsbedenken zum Einsatz bei abwehrgeschwächten Patienten. Daher ist anzunehmen, dass die Impfung auch unter laufender Myelomtherapie sicher ist.

Grundsätzlich ist eine geringere Wirksamkeit der COVID-19 Impfung unter laufender Myelomtherapie möglich. Es zeigt sich anhand von Erfahrungen mit anderen Impfstoffen, dass Myelompatienten, insbesondere unter laufender Therapie, teilweise eine geringere Impfantwort zeigen als gesunde Personen. Aufgrund des erhöhten Risikos von Blutkrebspatienten für einen schweren COVID-19 Verlauf empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie die Impfung dennoch explizit auch unter Chemotherapie oder sonstigen Tumortherapien.

Wann sollte während einer Myelom-Therapie geimpft werden?

Es ist aktuell nicht bekannt, welcher Zeitpunkt für die COVID-19 Impfung innerhalb eines Therapiezyklus besonders günstig ist oder ob eine Pausierung der Myelomtherapie während der COVID-19 Impfungen vorteilhaft ist. Daher empfehlen wir aktuell keine generelle Pausierung der Myelomtherapie zur Impfung. Bei einzelnen Patienten mit sehr guter Kontrolle des Myeloms, bei denen eine Therapiepausierung gefahrlos möglich erscheint, beispielsweise unter langjähriger Erhaltungstherapie, kann eine Therapiepause während des Zeitraumes der COVID-19 Impfung erwogen werden. Hier muss über das Vorgehen im Einzelfall anhand der klinischen Situation entschieden werden.

Eine Sondersituation besteht bei Patienten nach autologer Stammzelltransplantation. Hier wissen wir von anderen Impfstoffen, dass die Impfantwort unmittelbar nach Transplantation nur sehr gering ist. Bei diesen Patienten empfehlen wir daher, nach Möglichkeit die COVID-19 Impfung erst ab drei Monaten nach Transplantation durchzuführen, um eine verbesserte Impfantwort zu erzielen. Im Einzelfall kann sich der Patient jedoch auch für eine frühere Impfung entscheiden.

Abschließend ist es wichtig noch einmal zu betonen, dass Myelompatienten auch nach erfolgter COVID-19 Impfung die empfohlenen Hygienemaßnahmen aufrecht erhalten sollten, um sich und andere optimal vor einer Infektion zu schützen.

gez. Dr. med. Nicola Giesen

Oberärztin im Myelomzentrum des Universitätsklinikums Heidelberg

Empfehlungen COVID 19-Impfung, Stand 15.02.2021 (Version 1)