COVID-19 Impfung

COVID-19 Impfung bei Patienten mit Multiplem Myelom

Empfehlungen der Sektion Multiples Myelom der Medizinischen Klinik V, Universitätsklinikum Heidelberg, und des Nationalen Centrums für Tumoererkrankungen (NCT) Heidelberg (Version vom 05.05.2021, erarbeitet durch Frau Dr. N. Giesen)

 
Unsere Empfehlungen richten sich an Myelom-Patienten im Allgemeinen – insbesondere auch an Patienten innerhalb der HD7-Studie
 
 

Welche COVID-19 Impfstoffe sind aktuell in Europa zugelassen?

Aktuell (Stand 05.05.2021) sind in der EU vier Impfstoffe gegen COVID-19 zugelassen. Es handelt sich hierbei um zwei mRNA-Impfstoffe, BNT162b2 (Comirnaty®) von BioNTech/Pfizer und mRNA-1273 (COVID-19 Impfstoff Moderna) von Moderna, sowie um zwei Vektor-Impfstoffe, ChAdOx1 nCoV-19 (Vaxzevria®) von Astra-Zeneca/Universität Oxford und COVID-19 Vaccine Janssen von Johnson & Johnson. Alle vier Impfstoffe werden aktuell von der STIKO empfohlen. Sie gelten als Totimpfstoffe, so dass sie auch bei abwehrgeschwächten Patienten sicher gegeben werden können. Eine Einschränkung gibt es für den Vektor-Impfstoff von Astra-Zeneca: dieser wird von der STIKO nur für Personen ≥ 60 Jahre empfohlen.

Wie ist die allgemeine Wirkung und Nebenwirkung der COVID-19 Impfstoffe?

Alle vier Impfstoffe konnten in großen Placebo-kontrollierten Studien zeigen, dass sie sehr erfolgreich das Auftreten schwerer COVID-19 Erkrankungen verhindern können. Auch das Risiko, das SARS-CoV-2 Virus unbemerkt weiterzugeben, scheint bei vollständig geimpften Personen deutlich reduziert zu sein.
In den Tagen direkt nach der COVID-19 Impfung entwickeln viele Patienten leichte Beschwerden, die jedoch nicht gefährlich sind. Häufig werden Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit und Kopfschmerzen beschrieben. Ein kleinerer Teil der Patienten entwickelt auch leichtes Fieber.
In äußerst seltenen Fällen wurden schwere allergische Reaktionen beschrieben, v.a. bei Patienten mit schweren Allergien in der Vorgeschichte. Nach Impfung mit einem der beiden Vektor-Impfstoffe, insbesondere dem Impfstoff von AstraZeneca, wurde in extrem seltenen Fällen das Auftreten spezieller schwerwiegender Thrombosen, sogenannter Sinusvenenthrombosen, in Kombination mit Gerinnungsstörungen beobachtet. Betroffen waren hiervon insbesondere jüngere Frauen, so dass die STIKO ihre Empfehlung für den Impfstoff von AstraZeneca auf Personen ≥ 60 Jahre eingeschränkt hat. Hinweise, dass vorbestehende Gerinnungsstörungen oder Thrombosen das Risiko für diese sehr seltene Komplikation erhöhen, gibt es hingegen aktuell nicht.

Wird eine Impfung gegen COVID-19 für Patienten mit Multiplem Myelom empfohlen?

Patienten mit Blutkrebserkrankungen wie das Multiple Myelom haben ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer COVID-19 Erkrankung. Besonders hoch scheint das Risiko bei Patienten zu sein, bei denen die Krebserkrankung nicht gut kontrolliert ist.

Aus diesem Grunde wird die COVID-19 Impfung gerade für Patienten mit Blutkrebserkrankungen, wie auch dem Multiplen Myelom, besonders empfohlen.

In der aktuellen Version der Bundesimpfverordnung zu COVID-19 erhalten Patienten mit behandlungsbedürftigen Krebserkrankungen eine „hohe Priorität“ (Gruppe 2). Bei Bedarf kann den Patienten ein entsprechendes ärztliches Attest zur Vorlage im Impfzentrum ausgestellt werden.

Wie verhält es sich mit dem Risiko-Nutzen-Verhältnis einer COVID-19 Impfung unter Myelomtherapie?

In den Studien zu den aktuell verfügbaren Impfstoffen durften Patienten, die eine Tumortherapie erhielten, nicht teilnehmen. Es ist daher momentan schwierig, Empfehlungen zum optimalen Zeitpunkt einer COVID-19 Impfung in Bezug zur Myelomtherapie auszusprechen.

Alle momentan in Deutschland verfügbaren Impfstoffe gelten als Totimpfstoffe. Auf Grundlage umfangreicher Erfahrungen mit anderen Totimpfstoffen, wie z.B. dem saisonalen Grippeimpfstoff, sieht die STIKO daher keine speziellen Sicherheitsbedenken zum Einsatz bei abwehrgeschwächten Patienten. Daher ist anzunehmen, dass die Impfung auch unter laufender Myelomtherapie sicher ist.

Grundsätzlich ist eine geringere Wirksamkeit der COVID-19 Impfung unter laufender Myelomtherapie möglich. Es zeigt sich anhand von Erfahrungen mit anderen Impfstoffen, dass Myelompatienten, insbesondere unter laufender Therapie, teilweise eine geringere Impfantwort zeigen als gesunde Personen. Aufgrund des erhöhten Risikos von Blutkrebspatienten für einen schweren COVID-19 Verlauf empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie die Impfung dennoch explizit auch unter Chemotherapie oder sonstigen Tumortherapien.

Wann sollte während einer Myelom-Therapie geimpft werden?

Wenn möglich, scheint eine Impfung vor Beginn der Myelomtherapie besonders vorteilhaft zu sein. Wenn eine Myelomtherapie bereits begonnen wurde, ist es bei Therapien, die in Zyklen gegeben werden, günstig, einen gewissen Abstand zwischen der Therapiegabe und der Impfung einzuhalten, um überlappende Nebenwirkungen zu vermeiden. Wir empfehlen aktuell keine generelle Pausierung/Unterbrechung der Myelomtherapie zur Impfung. Bei einzelnen Patienten mit sehr guter Kontrolle des Myeloms, bei denen eine Therapiepausierung gefahrlos möglich erscheint, kann eine Therapiepause während des Zeitraumes der COVID-19 Impfung erwogen werden. Hier muss über das Vorgehen im Einzelfall anhand der klinischen Situation entschieden werden.

Eine Sondersituation besteht bei Patienten nach autologer Stammzelltransplantation. Hier wissen wir von anderen Impfstoffen, dass die Impfantwort unmittelbar nach Transplantation nur sehr gering ist. Bei diesen Patienten empfehlen wir daher, nach Möglichkeit die COVID-19 Impfung erst ab drei Monaten nach Transplantation durchzuführen, um eine verbesserte Impfantwort zu erzielen. Im Einzelfall kann sich der Patient jedoch auch für eine frühere Impfung entscheiden.

Abschließend ist es wichtig noch einmal zu betonen, dass Myelompatienten auch nach erfolgter COVID-19 Impfung die empfohlenen Hygienemaßnahmen aufrecht erhalten sollten, um sich und andere optimal vor einer Infektion zu schützen.

gez. Dr. med. Nicola Giesen

Oberärztin im Myelomzentrum des Universitätsklinikums Heidelberg

Empfehlungen COVID 19-Impfung, Stand 05.05.2021 (Version 2)